Souveräne KI-Infrastruktur: warum das Modell der einfachste Teil ist
Das Sprachmodell lässt sich in Ihrer KI am leichtesten austauschen. An einen Anbieter binden Sie die Modelle, die Ihre Dokumente einlesen und durchsuchbar machen (OCR und Embeddings). Welche Schweizer Hoster alle Komponenten bieten.
Infrastruktur · Veröffentlicht 14.07.2026 · Aktualisiert 14.07.2026 · Joel Barmettler
Was Infrastruktur bei KI wirklich ist
Wenn KI Fragen aus Ihren eigenen Dokumenten beantworten soll, braucht sie mehr als ein Sprachmodell. Dazu gehören Dienste, die Ihre Daten aufbereiten: OCR (Texterkennung) liest Scans als Text, Transkription verschriftlicht Audio, ein Embedding-Modell übersetzt Text in Zahlenreihen für die Suche. Das Sprachmodell tauschen Sie an einem Nachmittag. Wechseln Sie das Embedding-Modell, müssen Sie alle Dokumente neu einlesen.
Das Wichtigste in Kürze
- Vergleichen Sie Anbieter danach, wie viel der Datenaufbereitung sie für Sie übernehmen: Dokumente einlesen, in Vektoren umwandeln und speichern. Je mehr der Anbieter übernimmt, desto aufwendiger wird später ein Wechsel. Gerade das bequemste Angebot bindet Sie deshalb am stärksten.
- Setzen Sie beim Embedding-Modell und bei OCR auf offene Modelle, die Sie auch selbst betreiben können. Nur dann können Sie den Anbieter später wechseln.
- Wählen Sie einen Hoster, der alle Modelle der Datenaufbereitung in Europa betreibt. Führt ein Hoster nur Sprachmodelle, müssen Sie für Embeddings und OCR auf eine US-API ausweichen. Stand Juli 2026 bietet in der Schweiz nur PHOENIQS/kvant, ein Hoster für offene KI-Modelle, den vollständigen Satz an.
- Beim Sprachmodell genügt der Blick auf Leistung und Betriebskosten, denn diese Entscheidung lässt sich am leichtesten korrigieren.
Die öffentliche Debatte dreht sich fast nur um Sprachmodelle, also um KI wie ChatGPT, die Texte versteht und formuliert. Für ein Unternehmen ist das Sprachmodell aber nur der letzte Schritt einer längeren Kette.
Dies ist der dritte Teil unserer Serie über souveräne KI. Er behandelt die unterste von drei Ebenen, auf der Ihre Daten aufbereitet werden.
Das Modell kennt Ihre Dokumente nicht
Ein Sprachmodell ist auf dem öffentlichen Internet trainiert. Von Ihrem Unternehmen weiss es nichts: Ihre Verträge hat es nie gesehen, Ihre Offerten und Sitzungsprotokolle ebenso wenig. Wer KI im Betrieb einsetzt, will aber genau das: Antworten aus den eigenen Dokumenten.
Diese Dokumente liegen als PDF vor, als Office-Dateien, als eingescannte Verträge, als Aufnahmen von Sitzungen. Damit ein Sprachmodell sie nutzen kann, müssen sie zuerst in durchsuchbaren Text verwandelt werden. Dafür sorgt die übrige Infrastruktur: Ein OCR-Modell macht Dokumente und Scans lesbar, Transkription verschriftlicht Audio, ein Embedding-Modell macht den Text durchsuchbar, eine Vektordatenbank legt ihn ab, und erst am Ende formuliert das Sprachmodell aus den passenden Abschnitten eine Antwort.
Dieses Zusammenspiel heisst RAG, Retrieval-Augmented Generation, und läuft in zwei Phasen. Einmalig lesen Sie Ihre Dokumente ein und legen sie durchsuchbar ab. Danach durchläuft jede Frage die zweite Phase, von der Suche über die passenden Abschnitte bis zur belegten Antwort.
Jede dieser Stationen ist eine eigene Entscheidung, mit eigenen Anbietern und eigenen Folgen für die Souveränität. Wer nur auf das Sprachmodell schaut, übersieht den grössten Teil davon. Beginnen wir deshalb bei der Frage, wie ein Unternehmen KI überhaupt bezieht.
Wie Unternehmen KI beziehen
Wie souverän eine Lösung wird, hängt vor allem davon ab, wie viel Arbeit der Anbieter übernimmt. Wo der Anbieter für Sie arbeitet, behält er anschliessend auch die Kontrolle. Vier Bezugswege, von der grössten Bequemlichkeit zur grössten Kontrolle:
| Weg | Anbieter | Was Sie bekommen | Datenaufbereitung |
|---|---|---|---|
| Suite mit KI über Ihre Daten | Microsoft, Google, Infomaniak | fertige Apps plus KI darauf | der Anbieter, in seinem Speicher |
| KI-Plattform mit Ingestion | OpenAI, Mistral | Komponenten plus verwaltete Ablage | der Anbieter, in seiner Cloud |
| Cloud mit Modell-APIs | OVHcloud | Modelle als Dienst, Pipeline bauen Sie | Sie selbst |
| Offene Modelle, selbst betrieben | Scaleway, PHOENIQS, On-Prem | offene Modelle, volle Kontrolle | Sie selbst |
Am bequemsten sind die Suiten. Microsoft und Google beherrschen die Unternehmens-KI, weil Ihre Dokumente und Mails längst bei ihnen liegen. Copilot durchsucht SharePoint und OneDrive, Gemini den Google Drive; die KI liest die Daten, die Sie ohnehin dort halten. Infomaniak gehört in dieselbe Kategorie, mit Schweizer Infrastruktur: Euria durchsucht die Dateien in Ihrem kDrive und läuft auf offenen Modellen in der Schweiz. Es ist ein Hosting-Anbieter mit integrierter KI, kein auf KI spezialisiertes Unternehmen.
Die nächste Kategorie sind die KI-Plattformen, deren eigentliches Produkt die KI ist. OpenAI und, als europäische Antwort, Mistral geben Ihnen die Komponenten über eine Schnittstelle und bieten an, Ihre Dokumente hochzuladen, einzulesen und durchsuchbar zu machen. Mistral deckt dabei die ganze Breite ab: eigener Assistent (Le Chat), Plattform (AI Studio), OCR, Transkription, Embeddings und On-Premise-Betrieb. Ein souveräner Anbieter kann demnach mit den US-Konzernen mithalten, vom Assistenten bis zur Schnittstelle.
Es folgen die Cloud-Anbieter wie OVHcloud, deren Kerngeschäft die Infrastruktur ist und die KI-Modelle als zusätzlichen Dienst anbieten. Am weitesten geht, wer nur offene Modelle betreibt: bei Scaleway, bei einem Schweizer Anbieter wie PHOENIQS oder auf eigener Hardware. Je eigenständiger der Betrieb, desto mehr richten Sie selbst ein, und desto weniger kann Ihnen ein Anbieter später entziehen.
Wo der Lock-in wirklich sitzt
Das Sprachmodell ist die am leichtesten austauschbare Komponente. Die Anweisung an das Modell, der Prompt, bleibt dieselbe, und dasselbe offene Modell läuft bei einem Dutzend Anbietern.
Die Bindung entsteht bei den Modellen, die Ihre Daten verarbeiten. Für Suche und RAG wandeln Sie Ihre gesamte Wissensbasis mit einem bestimmten Embedding-Modell in Vektoren um, also in Zahlenreihen, die die Bedeutung eines Textabschnitts abbilden. Dokumente und Suchanfragen müssen dasselbe Modell verwenden, sonst passen die Vektoren nicht zusammen. Das Embedding-Modell legt damit fest, wie Ihr gesamter Datenbestand aufgebaut ist. Wechseln Sie es, müssen Sie jedes Dokument neu einlesen und neu indexieren, denn die Vektoren des einen Modells sind für das andere bedeutungslos.
Entsprechend bereitwillig bieten OpenAI, Google und Mistral an, Ihre Dokumente für Sie einzulesen und abzulegen. Bei OpenAI liegt die Wissensbasis anschliessend in deren Vektordatenbank, abgerechnet pro Gigabyte und Tag. Bei Google übernimmt die RAG-Engine das Einlesen, Zerlegen und Einbetten. Das ist bequem, und genau hier entsteht die stärkste Bindung: Der eingelesene, eingebettete und gespeicherte Datenbestand liegt im Vektorraum und in der Ablage eines Anbieters, und ein Wechsel bedeutet den vollständigen Neuaufbau.
Die zweite anspruchsvolle Komponente ist die Aufbereitung selbst. Saubere, strukturierte Daten aus echten Dokumenten zu gewinnen, aus Schweizer PDF-Dokumenten, Scans, Tabellen und drei Landessprachen, ist die eigentliche Ingenieursarbeit. Die Pipeline dahinter wird auf das Ausgabeformat eines bestimmten OCR-Dienstes zugeschnitten und lässt sich danach ebenso schwer ersetzen.
Souveränität auf dieser Ebene bedeutet deshalb vor allem, die Modelle, die Ihre Daten verarbeiten, also Embeddings und OCR, offen zu halten und bei Bedarf selbst betreiben zu können.
Das Modell auswählen
Bleibt die Frage, die die meisten zuerst stellen: Welches Sprachmodell? Sie ist wichtig, doch die Entscheidung lässt sich am leichtesten korrigieren. Für den Start genügen zwei Anhaltspunkte. Für die Leistung ordnet der unabhängige Intelligence Index von Artificial Analysis die Modelle anhand standardisierter Tests nach Fähigkeit, offene und geschlossene Modelle gemeinsam. Für die Kosten gilt, was wir im Beitrag zu LLM-Kosten durchgerechnet haben: Das billigste Modell der Preisliste ist selten das günstigste im Betrieb, weil der Tokenverbrauch pro Aufgabe je nach Modell variiert.
Entscheidend für die Souveränität ist, dass das Modell offene Gewichte hat, die trainierten Parameter also veröffentlicht sind. Dann können Sie es bei mehreren Hostern betreiben, deren Preise vergleichen und wechseln, wann Sie wollen.
Den Hoster wählen
Wer souverän werden will, wählt einen Hoster, der offene Modelle betreibt. Dabei lohnt die Frage, wer alle Modelle, die Ihre Daten verarbeiten, auf europäischem oder Schweizer Boden anbietet. Führt ein Hoster nur Sprachmodelle und müssen Sie für Embeddings oder OCR auf eine US-API ausweichen, geht die Souveränität an der wichtigsten Stelle wieder verloren.
Kennzahl
sechs ModellklassenQuelle: PHOENIQS Model-as-a-Service, Katalog Stand Juli 2026
Die europäischen Anbieter decken diese Modellarten unterschiedlich weit ab. OVHcloud führt über vierzig offene Modelle samt Transkription, Embeddings und Bildmodellen. Scaleway betreibt Sprachmodelle, Vision und Embeddings auf souveräner Infrastruktur in Paris. Infomaniak bietet dieselben Modelle über eine OpenAI-kompatible API aus der Schweiz, sodass sich bestehende Software leicht umstellen lässt. Und PHOENIQS zeigt, dass ein Schweizer Anbieter alle Modelle für die Datenaufbereitung offen betreiben kann, OCR und Embeddings eingeschlossen.
Die grösste Kontrolle bietet das Selbst-Betreiben offener Modelle auf einer eigenen oder gemieteten GPU (Grafikprozessor). Das ist ein Thema für sich, dem wir einen eigenen Beitrag widmen: Die Einrichtung ist anspruchsvoll, der laufende Betrieb danach aber wenig aufwendig.
Nicht in Isolation entscheiden
Noch ein Hinweis zur Reihenfolge: Die Modelle hängen mit der Plattform zusammen, also der Software, in der Ihr Team mit der KI arbeitet. Sie verlangt eine bestimmte Schnittstelle und oft ein passendes Embedding-Modell und gibt damit einen Teil der Infrastruktur vor. Deshalb bleiben wir hier bei Modell und Datenaufbereitung und behandeln die Plattform im nächsten Beitrag dieser Serie.
Was das für Ihr Unternehmen heisst
Souveräne Infrastruktur liefert genauso gute KI. Sie setzen die einzelnen Komponenten selbst zusammen und mieten keine fertige, geschlossene Lösung. Das Sprachmodell ist dabei der einfache Teil. Die Sorgfalt gehört den Modellen, die Ihre Daten verarbeiten, und der Frage, ob Sie Daten und Modelle im Ernstfall zu einem anderen Anbieter mitnehmen können.
Über der Infrastruktur liegt die Ebene, auf der Ihr Team täglich arbeitet. Ihr widmet sich der nächste Teil der Serie, bevor der letzte zur Integrationsebene kommt.
Für die Geschäftsleitung
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Sie erhalten das PDF sofort. Mit dem Absenden stimmen Sie zu, dass Souverana Sie zu diesem Thema kontaktieren darf. Verarbeitung in der Schweiz/EU, keine Weitergabe an Dritte, Widerruf jederzeit (revDSG).
Häufige Fragen
- Was gehört zur KI-Infrastruktur?
- Mehr als ein Sprachmodell. Zur KI-Infrastruktur gehören auch die Modelle und Dienste, die Ihre Daten aufbereiten: OCR (Texterkennung) für Dokumente, Transkription für Audio, Embeddings (Zahlenvektoren für die Suche) sowie eine Schicht für Kostenkontrolle und Zugriff. Das Sprachmodell ist dabei die am leichtesten austauschbare Komponente.
- Welches KI-Modell soll ein Unternehmen wählen?
- Das Modell, das die Aufgabe zum besten Preis löst. Der Intelligence Index von Artificial Analysis, einem unabhängigen Vergleichsdienst, ordnet Modelle nach Leistung. Die Betriebskosten hängen am Tokenverbrauch (der Textmenge, nach der abgerechnet wird). Ein offenes Modell mit frei verfügbaren Gewichten lässt sich bei mehreren Hostern betreiben, und Sie können den Hoster jederzeit wechseln.
- Wo kann ich LLMs in der Schweiz oder Europa hosten?
- Als API (Programmierschnittstelle) bei europäischen Anbietern wie OVHcloud, Scaleway oder Infomaniak. Oder auf einer Schweizer Plattform, die Modelle als Dienst anbietet, etwa PHOENIQS/kvant, mit offenen Modellen samt OCR und Embeddings. Maximale Kontrolle bietet der Eigenbetrieb auf eigener oder gemieteter Hardware.
- Was ist der Unterschied zwischen einer KI-Plattform und einer Integration?
- Eine Integration ist KI, die in ein Produkt eingebaut ist, das Sie ohnehin nutzen (Microsoft Copilot, Google Gemini, Infomaniak Euria). Die Infrastruktur dahinter wählt der Anbieter. Eine Plattform gibt Ihnen die Komponenten über eine Schnittstelle, damit Sie Ihre eigene Lösung bauen und den Anbieter wechseln können.
- Warum sind Embeddings ein Lock-in-Risiko?
- Ein Embedding-Modell übersetzt Ihre Texte in Vektoren, also Zahlenreihen, die Bedeutung abbilden, und Ihre ganze Wissensbasis wird in dieser Form gespeichert. Dokumente und Suchanfragen müssen dasselbe Modell verwenden. Bei einem Wechsel muss jedes Dokument neu eingelesen und indexiert werden. Ein offenes, selbst betriebenes Modell lässt Sie den Zeitpunkt dieses Neuaufbaus selbst bestimmen.
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Textvorschlag
Beim KI-Einkauf vergleichen die meisten das Sprachmodell. Wissen Sie, welches Modell Ihre Dokumente einliest und in Vektoren (Zahlenreihen für die Suche) übersetzt? Bei den Embeddings entsteht die Abhängigkeit, und bei Embeddings und OCR ist das europäische Angebot dünn: Wer Embeddings oder OCR braucht, weicht schnell auf eine US-API aus und verliert die Souveränität an der Stelle, an der die eigenen Daten verarbeitet werden. Der Blick in die Kataloge (Stand Juli 2026) zeigt das Muster: Ein Sprachmodell hat jeder Anbieter. Beim Rest wird es lückenhaft. Infomaniak bietet kein OCR, Scaleway keine Transkription, OVHcloud OCR nur teils. Einen kompletten Satz aus sechs Modellklassen liefert in der Schweiz heute der Hoster PHOENIQS/kvant, mit offenen Modellen wie Apertus 70B (Sprache), MinerU (OCR), BGE-M3 (Embeddings) und Whisper (Transkription). Unser Schluss: Das Sprachmodell tauschen Sie an einem Nachmittag. Die Sorgfalt gehört dem Embedding-Modell. Bei einem Wechsel müssen Sie jedes Dokument neu einlesen und neu indexieren, weil die Vektoren des einen Modells für das andere bedeutungslos sind. Im Beitrag stehen die Anbietermatrix mit sieben Zeilen, die Kette von der Dokumentensuche bis zur Antwort (RAG) Schritt für Schritt und sieben Fragen an Ihren KI-Hoster. Link in den Kommentaren. #KI #Datensouveränität #RAG #Schweiz