Claude von Anthropic: Was beim Datenschutz zu beachten ist
Claude, der KI-Assistent von Anthropic, ist für Geschäftsdaten einsetzbar, für Berufsgeheimnisse laut der Kanzlei VISCHER nicht. Die Zusage «Zero Data Retention», also keine Speicherung von Ein- und Ausgaben, gilt seit Juni 2026 für zwei Modelle nicht mehr.
Analyse · Veröffentlicht 21.07.2026 · Aktualisiert 21.07.2026 · Joel Barmettler
Ist Claude von Anthropic für Schweizer Unternehmen datenschutzkonform nutzbar?
Für gewöhnliche Geschäftsdaten ja, wenn Claude, der KI-Assistent von Anthropic, über Team, Enterprise oder die API bezogen wird. Der Vertrag von Anthropic zur Datenbearbeitung deckt keine besonders schützenswerten Personendaten ab, etwa Gesundheitsdaten. Für Anwälte, Ärzte und andere Berufsgeheimnisträger kommt Anthropic laut der Zürcher Kanzlei VISCHER im Juli 2026 nicht infrage. Diese Gruppe braucht den Bezug über einen Cloud-Anbieter wie Google.
Das Wichtigste in Kürze
- Die privaten Tarife Claude Free, Pro und Max sind für den Unternehmenseinsatz ungeeignet. Dort trainiert Anthropic seit dem 28. August 2025 standardmässig mit Unterhaltungen und Code, sofern niemand widerspricht.
- Die Zusage «Zero Data Retention» bedeutet, dass Anthropic Ein- und Ausgaben nach der Antwort nicht speichert. Seit Juni 2026 gilt sie für zwei Claude-Modelle nicht mehr, sie werden 30 Tage aufbewahrt. Prüfen Sie deshalb regelmässig, für welche Modelle die Zusage noch gilt.
- Wer Daten in der Schweiz oder in der EU halten muss, findet beim direkten Vertrag keine Lösung. Anthropic bietet keine eigene EU- oder Schweizer Region an. Den Verarbeitungsort verschiebt nur der Bezug über einen Hyperscaler, also einen grossen Cloud-Anbieter wie Microsoft, AWS oder Google.
- Planen Sie den Ausstieg mit, bevor Sie sich binden. Anthropic veröffentlicht keine offenen, frei herunterladbaren Modelle, die Sie auf eigenen Servern betreiben könnten. Wer Claude verlässt, wechselt deshalb zu einem anderen Anbieter.
- Claude Code, Anthropics Programmierwerkzeug für die Kommandozeile, unterliegt denselben Verträgen wie Claude selbst. Über Team, Enterprise oder die API trainiert Anthropic nicht mit Ihrem Code.
Die Zürcher Kanzlei VISCHER (Autoren Lucian Hunger und Jonas Baeriswyl) aktualisiert regelmässig eine öffentliche Marktübersicht über KI-Anbieter; die Fassung vom Juli 2026 widmet Anthropic zum ersten Mal einen eigenen Abschnitt, als «wichtigster neuer Player» neben den drei etablierten Hyperscalern Microsoft, AWS und Google. Souverana ist keine Anwaltskanzlei: Was folgt, ist VISCHERs rechtliche Einordnung, zitiert und eingeordnet, dazu die Architekturfragen, die eine Rechtsprüfung naturgemäss nicht beantwortet.
Dieser Beitrag ist der zweite Teil unserer Serie «Anbieter im Datenschutz-Check», nach demselben Aufbau wie die übrigen Teile: Verträge, Datenresidenz, Berufsgeheimnis, Auswege.
Was VISCHER an Anthropic beanstandet
VISCHER hat die Anthropic-Modelle mit dieser Ausgabe neu in die eigene Übersicht aufgenommen: einerseits diverse Angebote für Privatkunden, andererseits die drei Geschäftsangebote Team, Enterprise und API. Wie bei jedem anderen Anbieter sind die Privatkunden-Angebote für den Unternehmenseinsatz nicht geeignet.
Die Geschäftsangebote verfügen über einen Auftragsdatenbearbeitungsvertrag (Anthropic DPA), der regelt, wie Anthropic Personendaten im Auftrag des Kunden bearbeitet. Dazu kommen eine Vertraulichkeitsverpflichtung und die Zusicherung, dass Daten nicht fürs Training oder zur Serviceverbesserung genutzt werden. Ein Einsatz im Unternehmen ist laut VISCHER darum möglich. Ein Vorbehalt bleibt derselbe wie bei OpenAI: Das Anthropic DPA deckt nur Personendaten ab, die nicht als besonders schützenswert gelten. Für besonders schützenswerte Personendaten im Sinne des DSG sind die Claude-Modelle mit dem online verfügbaren DPA damit nicht geeignet, selbst wenn Mitarbeitende klar angewiesen sind, solche Daten nicht einzugeben.
Auf eine Anfrage zum Berufsgeheimnis war Anthropic laut VISCHER bisher nicht zu Gesprächen bereit.
Claude Code: dieselbe Vertragslogik, mit einer Frist-Verkürzung
VISCHERs Übersicht deckt Claude Code, Anthropics agentisches Kommandozeilen-Werkzeug für Programmierarbeit, nicht separat ab. Was folgt, ist unsere eigene Recherche in Anthropics öffentlichen Datenschutzangaben, Stand Juli 2026, nicht VISCHERs Einordnung.
Vertraglich gilt für Claude Code dasselbe wie für Claude selbst. Wer es über Claude for Work (Team oder Enterprise) oder die API nutzt, untersteht denselben Commercial Terms (den Geschäftsbedingungen von Anthropic) und demselben DPA, die im vorigen Abschnitt beanstandet wurden. Ein eigenes Claude-Code-DPA gibt es nicht.
Zwei Details sollten Sie vor der Einführung prüfen. Für die kommerzielle API-Nutzung nennt Anthropic heute eine Standard-Aufbewahrung von 30 Tagen: Ein- und Ausgaben werden danach automatisch gelöscht und nicht fürs Training genutzt.Anthropic Privacy Center Zudem ist Claude Code für Zero Data Retention berechtigt, entweder über einen kommerziellen API-Schlüssel oder über Claude Enterprise.Anthropic Docs Was diese Zusage seit Juni 2026 bedeutet, steht im Abschnitt «Zero Data Retention: nicht mehr für jedes Modell».
Berufsgeheimnis: warum es bei Anthropic nicht reicht
Für Anwaltskanzleien, Arztpraxen, Treuhänder und Banken ist die Frage nach dem Berufsgeheimnis oft dringlicher als die allgemeine DSGVO- oder revDSG-Konformität. Bei Anthropic fällt VISCHERs Antwort kurz aus.
Anders als bei Microsoft oder Google gibt es bei Anthropic direkt, Stand Juli 2026, keinen bekannten Weg zu Berufsgeheimnisdaten. VISCHER empfiehlt für diesen Fall eindeutig, Claude-Modelle für Berufs- oder Amtsgeheimnisdaten bei einem der drei Hyperscaler zu beziehen, bei Microsoft, AWS oder Google. Dazu weiter unten mehr.
Zero Data Retention: nicht mehr für jedes Modell
VISCHERs Übersicht wurde kurz vor einer Änderung fertiggestellt, die für Kunden mit Zero Data Retention (ZDR) zählt. Am 9. Juni 2026 hat Anthropic zwei neue Modelle, Claude Fable 5 und Claude Mythos 5, als «Covered Models» eingestuft, also als besonders leistungsfähige Modelle mit erhöhtem Risikopotenzial.
Auch unabhängig davon bleibt ZDR nicht völlig ohne Speicherung. Inhalte, die als möglicher Verstoss gegen die Nutzungsrichtlinien markiert wurden, kann Anthropic laut eigenen Angaben auch unter ZDR bis zu zwei Jahre aufbewahren.Anthropic Docs Für Unternehmen, die ZDR gerade wegen der Zusage «keine Speicherung» gewählt haben, folgt daraus: Sie sollten prüfen, welches Modell Sie einsetzen, und die aktuelle Fassung regelmässig lesen, auch lange nach dem Vertragsabschluss.
Wo Claude auf der Souveränitäts-Skala steht
Die Vertragsfrage ist die eine Ebene. Die andere ist die Architektur: Welchem Rechtsraum untersteht die Verarbeitung wirklich, wie offen ist das Modell dahinter, wo läuft der Betrieb, und kommen Sie im Zweifel aus dem System wieder heraus? Wie wir Souveränität verstehen, steht im Grundlagenbeitrag Was ist souveräne KI?. Dieselben sechs Achsen lassen sich konkret auf Claude anwenden:
Beim Rechtsraum steht Claude, direkt bei Anthropic bezogen, ganz links bei «US»: Die Verarbeitung läuft auf US-Infrastruktur, eine eigene EU- oder Schweizer Region bietet Anthropic nicht an. Erst der Bezug über einen Hyperscaler verschiebt diese Achse, dazu im nächsten Abschnitt mehr. Auch beim Modell steht Claude ganz links: Anthropic veröffentlicht, anders als OpenAI mit gpt-oss oder Google mit Gemma, keine offenen Modelle. Jede Nutzung läuft deshalb über einen Anbieter. Bei der Integration bleibt es ebenfalls bei einer proprietären API, auch wenn sie über drei verschiedene Vertragspartner erreichbar ist.
Der Fluchtweg: Claude über die Hyperscaler
Anthropic bietet keine offenen Modelle an, die sich selbst betreiben liessen. Deshalb führt der Fluchtweg aus der direkten Anthropic-Bindung zu einem anderen Vertragspartner. Alle drei Hyperscaler, Microsoft, AWS und Google, bieten Claude-Modelle unter ihren eigenen Verträgen an.
Kennzahl
3 HyperscalerQuelle: VISCHER, KI-Tools-Marktübersicht Teil 31, Stand Juli 2026
Bei Google etwa kommt die Vertragsbeziehung mit Google selbst zustande. Der Kunde stimmt zusätzlich zu, die Anthropic Terms of Service zu befolgen. Anthropic hat laut eigenen Service Specific Terms in diesem Fall weder Zugriff auf die Google-Cloud-Umgebung des Kunden noch auf die dort bearbeiteten Daten; das Abuse Monitoring, also die Prüfung auf Missbrauch, erfolgt dann durch Google. Eine Ausnahme bleibt: Bei den Covered Models behält sich Anthropic auch über einen Hyperscaler Zugriff auf Kundendaten vor. Dabei verpflichtet sich Anthropic zur Einhaltung des Anthropic DPA.
Bei Microsoft läuft die Verarbeitung von Anthropic-Modellen, etwa als Alternative zu GPT in Copilot, derzeit noch in den USA; für Berufsgeheimnisse scheidet diese Variante darum vorerst aus. VISCHER hat aber in Erfahrung gebracht, dass Anthropic plant, seine Modelle gegen Ende 2026 auch auf Rechenzentren in Europa zu betreiben. Zur Situation bei AWS hat VISCHER selbst noch keine vertiefte Prüfung vorgenommen.
So starten Sie
Klären Sie vor dem nächsten Claude-Vertrag oder der nächsten Erweiterung diese vier Punkte:
- Läuft bei Ihnen ein privater Tarif (Free, Pro, Max) im Geschäftseinsatz? Dort ist das Training seit August 2025 standardmässig aktiviert.
- Werden über Claude oder Claude Code besonders schützenswerte Personendaten oder gar Berufsgeheimnisdaten verarbeitet? Dafür reichen laut VISCHER weder der direkte Anthropic-Vertrag noch die Consumer-Tarife.
- Hält eine bei Ihnen als «Zero Data Retention» bezeichnete Vereinbarung seit der Anpassung vom Juni 2026 noch, was der Name verspricht?
- Wäre für Ihren Anwendungsfall der Bezug über einen Hyperscaler die passendere Wahl als der direkte Anthropic-Vertrag?
Die weiteren Teile der Serie prüfen OpenAI, Google und Microsoft nach demselben Aufbau, dazu Proton als Gegenentwurf.
Für die Geschäftsleitung
Dieses Dossier als PDF
Den vollständigen Beitrag plus eine kompakte Management-Zusammenfassung und Checkliste, als PDF zum Speichern und Weiterleiten.
Sie erhalten das PDF sofort. Mit dem Absenden stimmen Sie zu, dass Souverana Sie zu diesem Thema kontaktieren darf. Verarbeitung in der Schweiz/EU, keine Weitergabe an Dritte, Widerruf jederzeit (revDSG).
Häufige Fragen
- Ist Claude von Anthropic DSGVO-konform?
- Bei den Geschäftstarifen Team, Enterprise und API grundsätzlich ja: Ein Auftragsdatenbearbeitungsvertrag liegt vor, samt Zusicherung, dass Daten nicht fürs Training genutzt werden. Für besonders schützenswerte Personendaten, etwa Gesundheitsdaten, reicht der Vertrag laut der Zürcher Kanzlei VISCHER aber nicht aus. Das Unternehmen muss das Risiko selbst bewerten und entscheiden.
- Kann ich Claude für sensible Geschäftsdaten nutzen?
- Für normale Geschäftsdaten in einem Business-Tarif grundsätzlich ja, mit vertraglicher Absicherung. Für besonders schützenswerte Personendaten oder Berufsgeheimnisse, etwa das Anwalts- oder Arztgeheimnis, rät die Kanzlei VISCHER ausdrücklich ab. Anthropics eigener Vertrag ist dafür nach ihrer Einschätzung nicht ausgelegt, und Anthropic war bisher zu Gesprächen darüber nicht bereit.
- Ist Claude Code sicher für den Unternehmenseinsatz?
- Claude Code ist Anthropics Programmierwerkzeug für die Kommandozeile. Über Team, Enterprise oder die API ist der Einsatz unter denselben Bedingungen möglich wie bei Claude selbst: kein Training mit Ihrem Code, aber keine besonders schützenswerten Personendaten. Über die persönlichen Tarife Free, Pro oder Max trainiert Anthropic seit August 2025 standardmässig mit Ihren Eingaben.
- Kann Claude für Berufsgeheimnisträger wie Anwälte oder Ärzte eingesetzt werden?
- Nach Einschätzung der Kanzlei VISCHER nicht direkt bei Anthropic: Ihr sind keine Vertragszusätze bekannt, die eine Nutzung mit Berufs- oder Amtsgeheimnisdaten ermöglichen würden. Ein Weg führt über einen Hyperscaler, also einen grossen Cloud-Anbieter wie Microsoft, AWS oder Google. Diese bieten Claude-Modelle unter eigenen Verträgen an, die für sensible Daten geeigneter sind.
- Bietet Anthropic eine Schweizer oder europäische Datenresidenz an?
- Nein, direkt bei Anthropic nicht. Die Verarbeitung läuft standardmässig auf US-Infrastruktur, eine eigene EU- oder Schweizer Region bietet Anthropic nicht an. Eine europäische Verarbeitung lässt sich derzeit nur über den Bezug via AWS Bedrock oder Google Vertex AI erreichen, die KI-Plattformen von Amazon und Google, mit entsprechend höheren Kosten.
Diesen Beitrag teilen
Fertig formatierte Grafiken und ein Textvorschlag für Ihren LinkedIn-Post: herunterladen, kopieren, posten.
Textvorschlag
Arbeitet Ihr Team mit Claude? Dann lohnt die Frage, wer eigentlich Ihr Vertragspartner ist. Direkt bei Anthropic gilt: Der Vertrag zur Datenbearbeitung deckt keine besonders schützenswerten Personendaten ab, etwa Gesundheitsdaten. Die Verarbeitung läuft auf US-Infrastruktur. Für Berufs- und Amtsgeheimnisdaten reicht laut der Zürcher Kanzlei VISCHER keiner der Geschäftsverträge. Eine eigene EU- oder Schweizer Region gibt es nicht. Der Ausweg führt deshalb zu einem anderen Vertragspartner. Über Google Vertex AI, die KI-Plattform von Google, ist der Einsatz laut VISCHER mit den nötigen Zusätzen möglich. Microsoft Azure, die Cloud von Microsoft, verarbeitet Anthropic-Modelle vorerst in den USA. OpenAI (gpt-oss) und Google (Gemma) veröffentlichen offene, frei herunterladbare Modelle, Anthropic tut das nicht. Ein Selbstbetrieb ist ausgeschlossen. Unser Schluss: Prüfen Sie vor dem Einstieg, wie Sie wieder herauskommen. Wie schnell sich Zusagen ändern, zeigt Zero Data Retention, also die Zusage, Ihre Eingaben und Antworten nicht zu speichern: Seit Juni 2026 sind zwei Claude-Modelle davon ausgenommen und verlangen 30 Tage Aufbewahrung, ohne dass sich der Name der Zusage geändert hätte. Einordnung, keine Rechtsberatung. Im Beitrag stehen die vier Bezugswege, die Einordnung von Claude Code und sechs Fragen vor dem nächsten Vertrag. Link in den Kommentaren. #KI #Datenschutz #Anthropic #Schweiz