Claude von Anthropic: Was beim Datenschutz zu beachten ist
Claude ist für Geschäftsdaten einsetzbar, für Berufsgeheimnisse laut VISCHER nicht. Und eine Zusage, auf die sich viele verlassen, gilt seit Juni für zwei Modelle nicht mehr.
Analyse · Veröffentlicht 21.07.2026 · Aktualisiert 21.07.2026 · Joel Barmettler
Ist Claude von Anthropic für Schweizer Unternehmen datenschutzkonform nutzbar?
Für gewöhnliche Geschäftsdaten ja, sofern Claude über die Geschäftstarife Team, Enterprise oder die API bezogen wird. Der Auftragsdatenbearbeitungsvertrag von Anthropic deckt allerdings keine besonders schützenswerten Personendaten ab, und für Berufs- und Amtsgeheimnisträger kommt Anthropic nach Einschätzung der Zürcher Kanzlei VISCHER derzeit nicht infrage. Wer solche Daten mit Claude bearbeiten will, braucht den Weg über einen Hyperscaler.
Das Wichtigste in Kürze
- Für gewöhnliche Geschäftsdaten können Sie Claude einsetzen, sobald der Bezug über einen Geschäftstarif läuft. Die Einschränkungen entsprechen denen bei OpenAI.
- Wenn Sie sich auf «Zero Data Retention» verlassen, prüfen Sie regelmässig, für welche Modelle die Zusage noch gilt. Anthropic hat im Juni 2026 zwei Modelle davon ausgenommen, ohne dass sich am Vertragsnamen etwas geändert hätte.
- Wer Daten in der Schweiz oder in der EU halten muss, kommt beim direkten Vertrag nicht weiter. Nur der Bezug über einen Hyperscaler verschiebt den Verarbeitungsort.
- Planen Sie den Ausstieg mit, bevor Sie sich binden. Anthropic veröffentlicht keine offenen Modelle, der Weg aus der Bindung führt deshalb immer zu einem anderen Vertragspartner.
- Für Berufsgeheimnisdaten brauchen Sie gar nicht erst anzufragen. Anthropic war laut VISCHER bisher nicht bereit, darüber zu sprechen.
Die Zürcher Kanzlei VISCHER (Autoren Lucian Hunger und Jonas Baeriswyl) aktualisiert regelmässig eine öffentliche Marktübersicht über KI-Anbieter; die Fassung vom Juli 2026 widmet Anthropic zum ersten Mal einen eigenen Abschnitt, als “wichtigster neuer Player” neben den drei etablierten Hyperscalern. Souverana ist keine Anwaltskanzlei: Was folgt, ist VISCHERs rechtliche Einordnung, zitiert und eingeordnet, dazu die Architekturfragen, die eine Rechtsprüfung naturgemäss nicht beantwortet.
Dies ist der zweite Teil unserer Serie «Anbieter im Datenschutz-Check», nach demselben Raster wie die übrigen: Verträge, Datenresidenz, Berufsgeheimnis, Auswege.
Was VISCHER an Anthropic beanstandet
VISCHER hat die Anthropic-Modelle mit dieser Ausgabe neu in die eigene Übersicht aufgenommen: einerseits diverse Angebote für Privatkunden, andererseits die drei Geschäftsangebote Team, Enterprise und API. Wie bei jedem anderen Anbieter sind die Privatkunden-Angebote für den Unternehmenseinsatz nicht geeignet.
Die Geschäftsangebote verfügen über ein Auftragsdatenbearbeitungsvertrag (Anthropic DPA), eine Vertraulichkeitsverpflichtung und die Zusicherung, dass Daten nicht fürs Training oder zur Serviceverbesserung genutzt werden. Ein Einsatz im Unternehmen ist laut VISCHER darum möglich. Ein Vorbehalt bleibt derselbe wie bei OpenAI: Das Anthropic DPA deckt nur Personendaten ab, die nicht als besonders schützenswert gelten. Für besonders schützenswerte Personendaten im Sinne des DSG sind die Claude-Modelle mit dem online verfügbaren DPA damit nicht geeignet, selbst wenn Mitarbeitende klar angewiesen sind, solche Daten nicht einzugeben.
Auf eigene Anfrage zum Berufsgeheimnis war Anthropic laut VISCHER bisher nicht bereit, Gespräche zum Thema zu führen.
Claude Code: dieselbe Vertragslogik, mit einer Frist-Verkürzung
VISCHERs Übersicht deckt Claude Code, Anthropics agentisches Kommandozeilen-Werkzeug für Programmierarbeit, nicht separat ab. Was folgt, ist unsere eigene Recherche in Anthropics öffentlichen Datenschutzangaben, Stand Juli 2026, nicht VISCHERs Einordnung.
Vertraglich hängt Claude Code am selben Haken wie Claude selbst: Wer es über Claude for Work (Team oder Enterprise) oder die API nutzt, untersteht denselben Commercial Terms und demselben DPA, die im vorigen Abschnitt beanstandet wurden. Ein eigenes Claude-Code-DPA gibt es nicht.
Zwei Details lohnen die Prüfung vor der Einführung. Für die kommerzielle API-Nutzung nennt Anthropic heute eine Standard-Aufbewahrung von 30 Tagen: Ein- und Ausgaben werden danach automatisch gelöscht und nicht fürs Training genutzt.Anthropic Privacy Center Zudem ist Claude Code für Zero Data Retention berechtigt, entweder über einen kommerziellen API-Schlüssel oder über Claude Enterprise.Anthropic Docs Was diese Zusage seit Juni 2026 tatsächlich bedeutet, ist eine eigene Geschichte: Weiter unten im Beitrag ordnen wir die Änderung ein.
Berufsgeheimnis: warum es bei Anthropic nicht reicht
Für Anwaltskanzleien, Arztpraxen, Treuhänder und Banken ist die Frage nach dem Berufsgeheimnis oft dringlicher als die allgemeine DSGVO- oder revDSG-Konformität. Bei Anthropic fällt VISCHERs Antwort kurz aus.
Anders als bei Microsoft oder Google gibt es bei Anthropic direkt, Stand Juli 2026, keinen bekannten Weg zu Berufsgeheimnisdaten. VISCHERs Empfehlung für diesen Fall ist eindeutig: Claude-Modelle für Berufs- oder Amtsgeheimnisdaten nicht von Anthropic selbst beziehen, sondern von einem der drei Hyperscaler; dazu weiter unten mehr.
Zero Data Retention: nicht mehr für jedes Modell
VISCHERs Übersicht wurde kurz vor einer Änderung fertiggestellt, die für ZDR-Kunden zählt. Am 9. Juni 2026 hat Anthropic zwei neue Modelle, Claude Fable 5 und Claude Mythos 5, als “Covered Models” eingestuft.
Auch unabhängig davon ist ZDR nie ganz null: Als potenziell verletzend markierte Inhalte kann Anthropic laut eigenen Angaben auch unter ZDR bis zu zwei Jahre aufbewahren.Anthropic Docs Für Unternehmen, die ZDR gerade wegen der Zusage “keine Speicherung” gewählt haben, heisst das: Prüfen Sie, welches Modell Sie einsetzen, und lesen Sie die aktuelle Fassung regelmässig, auch lange nach dem Vertragsabschluss.
Wo Claude auf der Souveränitäts-Skala steht
Die Vertragsfrage ist die eine Ebene. Die andere ist die Architektur: Welchem Rechtsraum untersteht die Verarbeitung wirklich, wie offen ist das Modell dahinter, wo läuft der Betrieb, und kommen Sie im Zweifel aus dem System wieder heraus? Wie wir Souveränität verstehen, steht im Grundlagenbeitrag Was ist souveräne KI?. Dieselben sechs Achsen lassen sich konkret auf Claude anwenden:
Beim Rechtsraum steht Claude direkt bei Anthropic bezogen links: Die Verarbeitung läuft auf US-Infrastruktur, eine eigene EU- oder Schweizer Region bietet Anthropic nicht an. Erst der Bezug über einen Hyperscaler verschiebt diese Achse, dazu im nächsten Abschnitt mehr. Beim Modell bleibt Claude durchgehend links: Anthropic veröffentlicht, anders als OpenAI mit gpt-oss oder Google mit Gemma, keine offenen Modelle. Wer ein Anthropic-Modell selbst betreiben will, kann das nicht; jede Nutzung läuft über einen Anbieter. Bei der Integration bleibt es ebenfalls bei einer proprietären API, auch wenn sie über drei verschiedene Vertragspartner erreichbar ist.
Der Fluchtweg: Claude über die Hyperscaler
Anthropic hat, anders als OpenAI oder Google, keine offenen Modelle im Angebot, die sich selbst betreiben liessen. Der Fluchtweg aus der direkten Anthropic-Bindung führt zu einem anderen Vertragspartner, nicht zum Selbstbetrieb: Alle drei Hyperscaler, Microsoft, AWS und Google, bieten Claude-Modelle unter ihren eigenen Verträgen an.
Kennzahl
3 HyperscalerQuelle: VISCHER, KI-Tools-Marktübersicht Teil 31, Stand Juli 2026
Bei Google etwa kommt die Vertragsbeziehung mit Google selbst zustande. Der Kunde stimmt zusätzlich zu, die Anthropic Terms of Service zu befolgen. Anthropic hat laut eigenen Service Specific Terms in diesem Fall weder Zugriff auf die Google-Cloud-Umgebung des Kunden noch auf die dort bearbeiteten Daten; das Abuse Monitoring erfolgt dann durch Google. Eine Ausnahme bleibt: Bei sogenannten Covered Models, besonders leistungsfähigen Modellen mit erhöhtem Risikopotenzial, behält sich Anthropic auch über einen Hyperscaler Zugriff auf Kundendaten vor. Dabei verpflichtet sich Anthropic zur Einhaltung des Anthropic DPA.
Bei Microsoft läuft die Verarbeitung von Anthropic-Modellen, etwa als Alternative zu GPT in Copilot, derzeit noch in den USA; für Berufsgeheimnisse fällt diese Variante darum vorerst weg. VISCHER hat aber in Erfahrung gebracht, dass Anthropic plant, seine Modelle gegen Ende 2026 auch auf Rechenzentren in Europa zu betreiben. Zur Situation bei AWS hat VISCHER selbst noch keine vertiefte Prüfung vorgenommen.
So starten Sie
Klären Sie vor dem nächsten Claude-Vertrag oder der nächsten Erweiterung vier Punkte. Erstens, ob bei Ihnen ein privater Tarif (Free, Pro, Max) im Geschäftseinsatz läuft, obwohl das Training seit August 2025 standardmässig aktiviert ist. Zweitens, ob über Claude oder Claude Code besonders schützenswerte Personendaten oder gar Berufsgeheimnisdaten verarbeitet werden, für die laut VISCHER weder der direkte Anthropic-Vertrag noch die Consumer-Tarife reichen. Drittens, ob eine bei Ihnen als “Zero Data Retention” bezeichnete Vereinbarung seit der Anpassung vom Juni 2026 noch das hält, was der Name verspricht. Viertens, ob für Ihren Anwendungsfall der Bezug über einen Hyperscaler die passendere Wahl wäre als der direkte Anthropic-Vertrag.
Die weiteren Teile der Serie prüfen OpenAI, Google und Microsoft nach demselben Raster, dazu Proton als Gegenentwurf.
Für die Geschäftsleitung
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Sie erhalten das PDF sofort. Mit dem Absenden stimmen Sie zu, dass Souverana Sie zu diesem Thema kontaktieren darf. Verarbeitung in der Schweiz/EU, keine Weitergabe an Dritte, Widerruf jederzeit (revDSG).
Häufige Fragen
- Ist Claude von Anthropic DSGVO-konform?
- Bei den Geschäftstarifen Team, Enterprise und API grundsätzlich ja: Ein Auftragsdatenbearbeitungsvertrag liegt vor, samt Zusicherung, dass Daten nicht fürs Training genutzt werden. Für besonders schützenswerte Personendaten reicht der Vertrag laut der Zürcher Kanzlei VISCHER aber nicht aus, ein Risikoentscheid ist nötig.
- Kann ich Claude für sensible Geschäftsdaten nutzen?
- Für normale Geschäftsdaten in einem Business-Tarif grundsätzlich ja, mit vertraglicher Absicherung. Für besonders schützenswerte Personendaten oder Berufsgeheimnisse rät VISCHER ausdrücklich ab: Anthropics eigener Vertrag ist dafür laut ihrer Einschätzung nicht ausgelegt, und Anthropic selbst war bisher nicht gesprächsbereit.
- Ist Claude Code sicher für den Unternehmenseinsatz?
- Über Claude for Work (Team/Enterprise) oder die API ja, unter denselben Bedingungen wie Claude selbst: kein Training auf Ihrem Code, mit den bekannten Einschränkungen bei besonders schützenswerten Personendaten. Über die persönlichen Tarife Free, Pro oder Max trainiert Anthropic seit August 2025 standardmässig mit Ihren Eingaben.
- Kann Claude für Berufsgeheimnisträger wie Anwälte oder Ärzte eingesetzt werden?
- Nach VISCHERs Einschätzung nicht direkt bei Anthropic: Der Kanzlei sind keine Vertragszusätze bekannt, die eine Nutzung mit Berufs- oder Amtsgeheimnisdaten ermöglichen würden. Ein Weg führt über einen Hyperscaler wie Microsoft, AWS oder Google, die Claude-Modelle unter eigenen, für sensible Daten geeigneteren Verträgen anbieten.
- Bietet Anthropic eine Schweizer oder europäische Datenresidenz an?
- Nein, direkt bei Anthropic nicht: Die Verarbeitung läuft standardmässig auf US-Infrastruktur. Eine europäische Verarbeitung lässt sich derzeit nur über den Bezug via AWS Bedrock oder Google Vertex AI erreichen, mit entsprechend höheren Kosten.
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Textvorschlag
Arbeitet Ihr Team mit Claude? Dann lohnt die Frage, wer eigentlich Ihr Vertragspartner ist. Direkt bei Anthropic gilt: Der Auftragsdatenbearbeitungsvertrag deckt keine besonders schützenswerten Personendaten ab, die Verarbeitung läuft auf US-Infrastruktur, und für Berufs- und Amtsgeheimnisdaten reicht laut der Zürcher Kanzlei VISCHER keiner der Geschäftsverträge. Eine eigene EU- oder Schweizer Region gibt es nicht. Der Ausweg führt deshalb nicht ins eigene Haus, sondern zum nächsten Vertragspartner: Über Google Vertex AI ist der Einsatz laut VISCHER mit den nötigen Zusätzen möglich, Microsoft Azure verarbeitet Anthropic-Modelle vorerst in den USA. Anders als OpenAI mit gpt-oss oder Google mit Gemma veröffentlicht Anthropic keine offenen Modelle, ein Selbstbetrieb ist also ausgeschlossen. Unser Schluss: Prüfen Sie die Austrittsfähigkeit vor dem Einstieg. Wie schnell sich Zusagen ändern, zeigt der Juni 2026, seit dem zwei Claude-Modelle von Zero Data Retention ausgenommen sind und 30 Tage Aufbewahrung verlangen, ohne dass sich am Vertragsnamen etwas geändert hätte. Einordnung, keine Rechtsberatung. Im Beitrag stehen die vier Bezugswege, die Einordnung von Claude Code und sechs Fragen vor dem nächsten Vertrag. Link in den Kommentaren. #KI #Datenschutz #Anthropic #Schweiz