Google Gemini & Datenschutz: Was Schweizer KMU wissen müssen
Google führt technisch als einziger Anbieter, klemmt aber bürokratisch. Und ein unterschriebener Zusatzvertrag schliesst die Lücke nicht, solange die Standard-Websuche läuft.
Analyse · Veröffentlicht 21.07.2026 · Aktualisiert 21.07.2026 · Joel Barmettler
Ist Google Gemini für Schweizer Unternehmen datenschutzkonform nutzbar?
Ja, wobei über die Konformität der Vertrag entscheidet und nicht das Produkt. Nur Angebote unter dem Google-Cloud-Vertrag sind für Unternehmen geeignet, etwa Gemini in Workspace, Gemini Enterprise oder die API. Für Berufs- und Amtsgeheimnisdaten genügt der Zusatzvertrag allein nicht: Ohne die Enterprise-Variante der Websuche bleibt die Lücke offen. Diese Einordnung stammt von der Zürcher Kanzlei VISCHER.
Das Wichtigste in Kürze
- Prüfen Sie zuerst, unter welchem Vertrag Ihr Gemini läuft. Die Gemini-Apps und die kostenlose Business Edition hält VISCHER für den Unternehmenseinsatz für ungeeignet.
- Wer Berufsgeheimnisdaten bearbeitet, sollte den Zusatzvertrag früh anstossen. Ohne die richtigen Kontakte ist er laut VISCHER “sehr beschwerlich” zu bekommen, und kleinere Kanzleien warten Monate.
- Schalten Sie dabei die Websuche auf die Enterprise-Variante um. Ein unterschriebener Zusatzvertrag bei weiterhin aktiver Standardsuche schliesst die Lücke nicht.
- Wer die Verarbeitung in der Schweiz braucht, muss die Region vertraglich festhalten. Googles neueste Modelle laufen zunehmend im EU-Rechenverbund, obwohl mit Zürich eine Schweizer Region existiert.
- Setzen Sie Gemini beim Programmieren ein, brauchen Sie seit Juni 2026 die lizenzierte Code-Assist-Variante. Die Einzelnutzer-Fassung wurde eingestellt.
Die Zürcher Kanzlei VISCHER (Autoren Lucian Hunger und Jonas Baeriswyl) führt seit Jahren eine Marktübersicht zum Datenschutz bei KI-Tools; der Google-Teil wurde im Juli 2026 aktualisiert. Die Kanzlei schreibt, bei keinem Cloud-Anbieter sei der Vertragsabschluss für Berufsgeheimnisdaten zusammen mit dem Opt-out beim Abuse Monitoring bisher “befriedigend gelöst”. Diese rechtliche Einschätzung zitieren wir hier explizit, denn Souverana ist keine Anwaltskanzlei. Was wir dazu beisteuern, ist die Architekturfrage: wo Ihr Modell wirklich läuft und wie Sie den Zugang zum Zusatzvertrag in der Praxis bekommen.
Dies ist der dritte Teil unserer Serie «Anbieter im Datenschutz-Check», nach demselben Raster wie die übrigen: Verträge, Datenresidenz, Berufsgeheimnis, Auswege.
Was VISCHER an Google Gemini beanstandet
Google hat sein Angebot in den letzten Monaten neu geordnet und teils umbenannt. Für Unternehmen zählt am Ende eine einzige Weiche: Läuft das Produkt unter den “Google Cloud Terms of Service”, oder unter einem anderen Vertrag? Nur Angebote unter dem GCP-Vertrag hält VISCHER für grundsätzlich unternehmenstauglich, etwa Gemini in Workspace, Gemini Enterprise Standard/Plus/Frontline oder die API über die frühere Vertex-AI-Plattform.
Die “Business Edition” trägt zwar den Namen einer Geschäftskundenversion, ist nach VISCHERs Einschätzung aber weder in der kostenlosen noch in der kostenpflichtigen Variante wirklich dafür gebaut: Der kostenlosen fehlt der GCP-Vertrag, und Google darf die Daten für eigene Zwecke nutzen. Der kostenpflichtigen fehlt eine allgemeine Geheimhaltungsklausel. Für die Angebote, die unter dem GCP-Vertrag laufen, gilt dagegen ein Auftragsbearbeitungsvertrag, bei Google “Cloud Data Processing Addendum” genannt.
Sobald ein KI-Modell im Internet suchen darf, verlässt es die geschützte Umgebung, und genau hier zeigt VISCHERs Übersicht den grössten Unterschied zu Microsoft. Bei der Standardvariante, “Grounding with Google Search”, darf Google Suchanfragen bis zu drei Tage für eigenes Debugging speichern, vertraglich als Teil der Dienstleistung deklariert. Bei der kostenlosen Version von Google AI Studio geht das noch weiter: Dort nutzt Google Daten der Websuche zusätzlich fürs Testing der eigenen Systeme.
Web Grounding for Enterprise steht gemäss VISCHER bei der API über die Agent Platform zur Verfügung, sowie unklar dokumentiert auch bei Gemini Enterprise Standard/Plus/Frontline. Für Unternehmen mit Websuche-Bedarf und heiklen Daten ist das der entscheidende Unterschied zu den beiden anderen Hyperscalern: Microsoft und OpenAI bieten laut derselben Übersicht bisher keine vergleichbare Enterprise-Websuche an.
Wer über die Google Cloud Platform bezieht, kann statt Gemini auch andere Modelle wählen, darunter jene von Anthropic. Der Vertrag kommt dabei mit Google zustande, nicht mit Anthropic: Laut Anthropics eigenen Vertragsbedingungen hat Anthropic in diesem Fall weder Zugriff auf die Google-Cloud-Umgebung des Kunden noch auf die dort verarbeiteten Daten, mit Ausnahme weniger besonders geregelter Modelle.
Gemini CLI: vom Gratis-Tool zur Enterprise-Lizenz
VISCHERs Übersicht deckt Gemini CLI, Googles Kommandozeilen-Werkzeug für Programmierarbeit, nicht separat ab. Was folgt, ist unsere eigene Recherche in Googles öffentlichen Angaben, Stand Juli 2026, nicht VISCHERs Einordnung, und das Bild hat sich seit dem Frühling deutlich verschoben.
Unternehmen mit einer Gemini-Code-Assist-Lizenz (Standard oder Enterprise) sind von dieser Umstellung nicht betroffen: Ihr Zugang zu Gemini CLI und den IDE-Erweiterungen bleibt bestehen, unter demselben GCP-Vertrag, der auch für Gemini Enterprise gilt. Für diese Lizenzstufe macht Google klare Zusagen: Prompts und Antworten sind zustandslos, werden nicht gespeichert, und ohne ausdrückliche Erlaubnis fliessen sie nicht ins Training.Google Cloud Zertifiziert ist die Enterprise-Stufe unter anderem nach ISO 27001, 27017, 27018 und SOC 1/2/3.Google Cloud Auch eine Datenresidenz lässt sich festlegen, wobei dieselbe Einschränkung gilt wie bei Gemini selbst: Die Schweiz fällt nicht unter den EU-Multi-Region-Endpoint, eine Region muss gezielt gewählt werden.
Für Ihr Unternehmen heisst das: Nur die lizenzierte Code-Assist-Variante gehört in den produktiven Einsatz, nicht ein privater Google-Account mit API-Schlüssel über die kostenlose Schiene.
Berufsgeheimnis: was heute schon geht
Für Anwaltskanzleien, Ärztinnen, Treuhänder und Behörden gilt in der Schweiz das Berufs- und Amtsgeheimnis. VISCHER nennt vier Voraussetzungen, damit sich Google Gemini dafür einsetzen lässt:
- 01
Zusatzvertrag
Ein separater Vertrag für Berufs- und Amtsgeheimnisdaten muss abgeschlossen sein, zusätzlich zum normalen GCP-Vertrag.
- 02
Abuse Monitoring aus
Die manuelle Durchsicht von Anfragen durch Google-Mitarbeitende muss deaktiviert werden. Automatisierte technische Filter bleiben unproblematisch.
- 03
Web Grounding for Enterprise
Statt der Standard-Websuche muss die Enterprise-Variante genutzt werden, oder die Websuche bleibt ganz aus.
- 04
Zero Data Retention & Access Approval
Empfohlen: Caching deaktivieren für echte Zero Data Retention, und Access Approval einrichten, damit Google-Zugriffe Ihre Zustimmung brauchen.
Technisch ist das lösbar, schreibt VISCHER. Der Engpass liegt woanders: “Der ‘gewöhnliche’ GCP-Vertrag kann online abgeschlossen werden, für den Zusatz braucht es aber Offline-Billing […], den Google üblicherweise nur grösseren Kunden anbietet.” Kleinere Institutionen, etwa eine Anwaltskanzlei, kommen normalerweise nur über persönliche Kontakte an diesen Vertrag, und das kann laut VISCHER Monate dauern. Die Kanzlei hat nach eigenen Angaben bereits mehrere solche Verträge vermittelt. Microsofts Reseller-Netz vermittelt den vergleichbaren Zusatz dagegen deutlich niedrigschwelliger: Jeder zertifizierte Cloud-Solution-Provider kann ihn anbieten, unabhängig von Microsoft selbst.
Der EU-Rechenverbund: Zürich existiert, ist aber nicht garantiert
VISCHER liefert die vertragliche Einordnung. Was ihre Übersicht nicht beantwortet: Wo genau steht der Server, der Ihre Anfrage tatsächlich verarbeitet? Der Blick in Googles eigenen Modellkatalog gibt eine erste Antwort.
Kennzahl
46 ModelleQuelle: Google Cloud, Vertex AI Model Garden, Region europe-west6, Stand Juli 2026
Eine Schweizer Cloud-Region existiert also, und sie ist gut bestückt. Die neuesten Gemini-Spitzenmodelle der 3er-Generation sind darin aber meist nur über den EU-Multi-Region-Endpoint erreichbar, verteilt “irgendwo in der EU”, nicht fest Zürich zugeordnet. Ältere Single-Region-Endpoints in der EU tragen zurzeit Gemini 2.5 Pro und 2.0 Flash, ebenfalls nicht die neueste Generation.
Wo Google Gemini auf der Souveränitäts-Skala steht
Die Vertragsfrage ist die eine Ebene. Die andere ist die Architektur: Welchem Rechtsraum untersteht die Verarbeitung wirklich, wie offen ist das Modell dahinter, wo läuft der Betrieb, und kommen Sie im Zweifel aus dem System wieder heraus? Wie wir Souveränität grundsätzlich verstehen, steht im Grundlagenbeitrag Was ist souveräne KI?. Dieselben sechs Achsen lassen sich konkret auf Gemini und die Agent Platform anwenden:
Beim Rechtsraum steht Gemini für die meisten Firmen heute in der Mitte: EU-Verbund als Standardfall, eine Schweizer Region als Option, aber ohne Garantie für die aktuellsten Modelle, wie der vorige Abschnitt zeigt. Beim Betrieb bleibt die Achse links: ein Hyperscaler, kein eigenes Haus, und das Gemini-Flaggschiffmodell selbst lässt sich nicht selbst hosten, dazu mehr im nächsten Abschnitt. Bei der Integration liegt Googles Vorteil im Detail: Web Grounding for Enterprise ist keine offene Schnittstelle, aber die einzige der drei Hyperscaler-Websuchen, die sich mit Berufsgeheimnisdaten verträgt.
Der Fluchtweg: Gemma
Eine Ausnahme von der Hyperscaler-Bindung gibt es doch: Google veröffentlicht mit Gemma eine eigene Familie offener Modelle, die Sie herunterladen und auf eigener oder Schweizer Infrastruktur betreiben dürfen, unabhängig von Googles Cloud.Google AI for Developers Damit hat auch Google den Fluchtweg, den Microsoft über Azure AI Foundry und OpenAI über sein Modell gpt-oss anbieten.
Für die Souveränitäts-Rechnung ist das relevant, weil es die Modell-Achse von den anderen fünf löst: Rechtsraum, Betrieb und Integration bleiben bei der Google Cloud, wenn Sie Gemini nutzen, ändern sich aber vollständig, sobald Sie stattdessen ein Gemma-Modell bei einem Schweizer oder europäischen Hoster betreiben. Reicht die Leistung eines offenen Modells für die Aufgabe, muss der Betrieb dann nicht mehr bei Google liegen.
So starten Sie
Klären Sie vor dem nächsten Google-Vertrag oder der nächsten Erweiterung vier Punkte, allen voran den Zugang zum Berufsgeheimnis-Zusatz. Erstens, wer bei Google überhaupt der Ansprechpartner dafür ist, denn ohne persönlichen Kontakt dauert die Freischaltung laut VISCHER Monate. Zweitens, ob alle vier Voraussetzungen von oben umgesetzt sind: Ein unterschriebener Zusatzvertrag bei weiterhin aktiver Standard-Websuche schliesst die Lücke nicht. Drittens, in welcher Region Ihr gebuchtes Modell läuft, fest zugeordnet oder im EU-Verbund. Viertens, ob für einzelne Anwendungsfälle ein selbst betriebenes Gemma-Modell mehr Kontrolle gäbe als die Google-Cloud-Anbindung.
Wie sich OpenAI, Anthropic und Microsoft in denselben Fragen schlagen, steht in den übrigen Teilen der Serie, dazu Proton als Gegenentwurf.
Für die Geschäftsleitung
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Den vollständigen Beitrag plus eine kompakte Management-Zusammenfassung und Checkliste, als PDF zum Speichern und Weiterleiten.
Sie erhalten das PDF sofort. Mit dem Absenden stimmen Sie zu, dass Souverana Sie zu diesem Thema kontaktieren darf. Verarbeitung in der Schweiz/EU, keine Weitergabe an Dritte, Widerruf jederzeit (revDSG).
Häufige Fragen
- Ist Google Gemini für Schweizer Unternehmen datenschutzkonform nutzbar?
- Ja, sofern das richtige Angebot gewählt wird. Nur Produkte unter dem Google-Cloud-Vertrag (etwa Gemini in Workspace, Gemini Enterprise Standard/Plus/Frontline oder die API über die Agent Platform) sind laut der Kanzlei VISCHER für Unternehmen geeignet. Die kostenlose App-Version und die kostenlose Business Edition sind es nicht.
- Was ist der Unterschied zwischen Gemini Enterprise und Vertex AI?
- Vertex AI ist der frühere Name für Googles API-Plattform für Unternehmen. Google hat sie in «Gemini Enterprise Agent Platform» umbenannt. Sie läuft unter dem Google-Cloud-Vertrag und ist für den Einsatz mit vertraulichen Daten grundsätzlich geeignet, inklusive Berufsgeheimnis-Zusatz.
- Was ist Web Grounding for Enterprise?
- Eine Variante der Google-Websuche für KI-Modelle, bei der Google keine Daten für eigenes Debugging speichert. Laut VISCHER ist Google damit bisher der einzige Hyperscaler, der eine Websuche anbietet, die auch mit Berufsgeheimnis-Daten nutzbar ist.
- Kann eine Anwaltskanzlei oder Arztpraxis Google Gemini nutzen?
- Grundsätzlich ja, mit einem zusätzlichen Vertrag für das Berufs- und Amtsgeheimnis, deaktiviertem Abuse Monitoring und Web Grounding for Enterprise statt der Standard-Websuche. Der Zugang zu diesem Zusatz ist bei Google aber aufwendiger als bei Microsoft und meist nur über Kontakte oder grössere Volumen zu bekommen.
- Läuft Google Gemini in der Schweiz?
- Google betreibt eine Cloud-Region in Zürich mit einem breiten Modellkatalog. Die neuesten Gemini-Spitzenmodelle sind darin aber oft nur über den EU-Rechenverbund erreichbar, nicht fest einer Region zugeordnet. Eine garantierte Verarbeitung ausschliesslich in der Schweiz gilt für die neuesten Modelle deshalb nicht durchgehend.
- Ist Gemini CLI für den Unternehmenseinsatz geeignet?
- Nur über eine lizenzierte Gemini-Code-Assist-Stufe (Standard oder Enterprise), unter demselben GCP-Vertrag wie Gemini Enterprise, mit denselben Zusagen zu Nichtspeicherung und Training. Der kostenlose Einzelnutzer-Zugang zu Gemini CLI wurde am 18. Juni 2026 eingestellt; Google verweist Privatnutzer auf ein neues Werkzeug namens Antigravity CLI, dessen Bedingungen wir nicht eigenständig geprüft haben.
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Textvorschlag
Darf Ihr KI-Assistent im Web suchen? Dann gehört auf die Prüfliste, was mit der Suchanfrage passiert. Diese Stelle wird beim Anbietervergleich fast immer übersehen, obwohl die Anfrage dort das saubere Vertragswerk verlässt. Bei Microsofts Grounding with Bing gelten MCA und DPA nicht mehr, Microsoft ist dort selbst Verantwortlicher. Bei Googles Standard-Grounding werden Suchanfragen bis zu drei Tage fürs Debugging gespeichert. Bei OpenAI zeigen die öffentlichen Vertragstexte gar keine Ausnahme. Nur Google bietet mit Web Grounding for Enterprise eine Variante ohne diese Speicherung und ist damit laut der Zürcher Kanzlei VISCHER bisher der einzige Anbieter, dessen Websuche sich auch mit Berufsgeheimnisdaten nutzen lässt. Der Haken liegt anderswo: Der nötige Zusatzvertrag braucht Offline-Billing und ist laut VISCHER «sehr beschwerlich» zu bekommen, kleine Kanzleien warten Monate. Unser Schluss: Ein unterschriebener Zusatzvertrag bei weiterhin aktiver Standardsuche schliesst die Lücke nicht. Und die Nutzenden merken davon nichts, weil sie nicht steuern, was das System an die Suche übergibt. Einordnung, keine Rechtsberatung. Im Beitrag stehen die vier Voraussetzungen für Berufsgeheimnisdaten, die Frage der Schweizer Region und die vollständige Angebotstabelle. Link in den Kommentaren. #KI #Datenschutz #GoogleCloud #Schweiz