Lumo von Proton: So sieht datenschutzfreundliche KI aus

Protons KI-Assistent Lumo 2.0 setzt auf offene Modelle, eigene Server und verschlüsselte Chats. Zwei Haken bleiben: die Websuche und die fehlende API.

Analyse · Veröffentlicht 09.07.2026 · Aktualisiert 09.07.2026 · Joel Barmettler

Was ist Lumo?

Lumo ist der KI-Assistent von Proton, der Genfer Firma hinter Proton Mail. Proton betreibt frei verfügbare Modelle wie GLM-5.2 nur auf eigenen Servern in Europa, und nicht einmal Proton kann die Chats lesen. Zwei Grenzen bleiben (Stand Juli 2026): Die Websuche schickt Anfragen an externe Suchmaschinen, und es fehlt eine API, also eine Schnittstelle für andere Software.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Muster hinter Lumo können Sie für Ihre eigene KI übernehmen: offene Modelle, die ein Unternehmen herunterlädt, selbst betreibt und in Europa hostet.
  • Private KI gilt als die schwächere KI. GLM-5.2, das Modell hinter Lumo, schneidet im Intelligenz-Index von Artificial Analysis, einem unabhängigen Vergleichstest für KI-Modelle, besser ab als Googles Gemini 3.5 Flash (Stand Juli 2026).
  • Wer heikle Recherchen macht, schaltet die Websuche in Lumo besser ab. Bei aktivierter Suche gehen die Anfragen an externe Suchmaschinen, die Proton nicht benennt.
  • Eine API, über die andere Software Lumo ansprechen könnte, gibt es noch nicht (Stand Juli 2026, angekündigt). Für eigene Werkzeuge und Geschäftsprozesse lässt sich Lumo deshalb nicht einsetzen.

Ende Juni hat Proton die Version 2.0 veröffentlicht, mit Reasoning-Modus (das Modell denkt vor der Antwort schrittweise nach), Bildgenerierung, Gedächtnis, doppeltem Kontextfenster (der Textmenge, die das Modell auf einmal berücksichtigt) und einer verbesserten Websuche. Wichtiger als jede einzelne Funktion ist aber das neue Modell darunter: Lumo war bisher vorbildlich vertraulich, für den täglichen Einsatz aber zu schwach. GLM-5.2 schliesst diese Lücke weitgehend.

In Beratungsmandaten empfehlen wir selten konkrete Produkte. Bei Lumo machen wir eine Ausnahme: Kein anderer Dienst führt derzeit so sichtbar vor, dass leistungsfähige KI ohne Datenabfluss möglich ist.

Dieser Beitrag ist der letzte Teil unserer Serie «Anbieter im Datenschutz-Check» und der Gegenentwurf zu den vier grossen Anbietern davor.

Wer hinter Lumo steht

Proton wurde 2014 von CERN-Forschern in Genf gegründet und per Crowdfunding finanziert; bekannt wurde die Firma mit dem verschlüsselten Proton Mail. Seit 2024 gehört die Mehrheit der Proton AG einer gemeinnützigen Schweizer Stiftung, in deren Stiftungsrat unter anderem Web-Erfinder Tim Berners-Lee sitzt. Eine Übernahme gegen den Zweck der Stiftung ist damit praktisch ausgeschlossen.

Die Eigentümerstruktur ist Teil der Sicherheitsfrage. Einem KI-Assistenten vertrauen Sie intimere Dinge an als jeder Suchmaschine; ob der Anbieter in fünf Jahren noch dieselben Werte hat, zählt darum mit. Eine gemeinnützige Stiftung als Mehrheitseigentümerin ist eine der wenigen belastbaren Antworten darauf.

Was Lumo richtig macht

Die Architektur ist dokumentiert und konsequent. Eingesetzt werden offene Modelle, unter anderem GLM-5.2 und Qwen 3.5 (Proton nennt inzwischen auch GLM 5.3 und Apertus 1.5; die Messwerte weiter unten gelten für GLM-5.2), und zwar ausschliesslich auf Servern, die Proton selbst kontrolliert, in Europa. Kein Prompt landet bei einem Drittanbieter; die einzige Ausnahme, die Websuche, kommt weiter unten. Die Chat-Historie ist zero-access-verschlüsselt: Nur Ihr Gerät kann sie lesen, Proton nicht. Anfragen werden laut Proton nach der Antwort gelöscht, Metadaten wie IP-Adressen oder Zeitstempel gar nicht erst gespeichert, und trainiert wird mit Ihren Chats auch nicht.

Wer unseren Beitrag zu LLM-Kosten kennt, erkennt das Prinzip wieder: Offene Modelle, auch chinesische, sind kein Risiko, solange man kontrolliert, wo sie laufen. Proton lädt ein fertiges Modell herunter und behält den Betrieb.

Wie stark ist das Modell?

Der übliche Einwand gegen private KI lautet: schön, aber schwach. Bei Lumo stimmt er nicht mehr.

Kennzahl

51 Punkte
GLM-5.2, das stärkste Modell hinter Lumo, liegt im unabhängigen Intelligenz-Index von Artificial Analysis neun Punkte hinter der Spitze und vor Googles Gemini 3.5 Flash.

Quelle: Artificial Analysis, Intelligence Index v4.1, Stand Juli 2026

So ordnet sich GLM-5.2 unter den bekanntesten Modellen ein:

Bemerkenswert ist auch der Abstand nach unten: Mistral Medium 3.5, das stärkste in Europa entwickelte Modell, liegt 21 Punkte hinter GLM-5.2. Der Vergleich ist nur halb fair, denn Mistral trainiert seine Modelle selbst, während Proton ein in China trainiertes Modell herunterlädt und betreibt. Genau das ist aber der Punkt: Offene Modelle machen Leistung nahe der Spitze für jeden verfügbar, der sie souverän betreiben kann. Europa muss nicht das beste Modell trainieren, um vertrauliche KI auf Weltniveau anzubieten.

Das gleiche Vorgehen gibt es bereits in der Schweiz: Infomaniak, der Genfer Anbieter hinter dem Assistenten Euria, bietet über seine KI-API Kimi K2.6 an, im Diagramm gleichauf mit DeepSeek. Auch hier: offenes Modell, Schweizer Betrieb.

Der erste Haken: die Websuche

An einer Stelle verlassen Daten die verschlüsselte Umgebung zwangsläufig: bei der Websuche. Wird sie aktiviert, gehen Suchanfragen an externe Suchmaschinen. Proton schreibt, man habe die Anbieter nach Datenschutz, Leistung und Zuverlässigkeit ausgewählt, nennt sie aber nicht beim Namen.

Aus Beratersicht ist das zu wenig. Suchanfragen verraten bei sensiblen Themen fast so viel wie der Chat selbst. Nutzt die Suche den Suchindex von Google oder Bing, wandert ein Teil Ihrer Frage genau zu den Konzernen, denen Sie mit Lumo ausweichen wollten. Bis Proton die Anbieter offenlegt, gilt für vertrauliche Themen die Regel, die Websuche auszuschalten. Sie lässt sich pro Unterhaltung abschalten.

Der zweite Haken: noch keine API

Lumo gibt es als Web-App und für iOS und Android, seit kurzem auch als Business-Version für Teams. Was fehlt, ist eine Schnittstelle (API), über die andere Software Lumo ansprechen kann: Eine offizielle API hat Proton für 2026 angekündigt; Stand Juli gibt es sie nicht.

Für den Einsatz im Unternehmen heisst das konkret: Lumo lässt sich weder in Coding-Werkzeuge wie OpenCode einbinden noch in eigene Geschäftsprozesse, Produkte oder agentische Anwendungen, in denen eine KI selbstständig mehrere Schritte ausführt. Lumo ist ein Assistent für Menschen und lässt sich nicht in Systeme einbauen. Die inoffiziellen API-Wrapper aus der Community eignen sich nicht für sensible Daten, denn sie gelten ausserhalb der Garantien, für die man Lumo überhaupt wählt.

Kommt die API, entscheidet ihr Preismodell über den Nutzen. Bei agentischen Werkzeugen zählt vor allem das Prompt Caching. Coding-Assistenten senden denselben Kontext hunderte Male, und ohne rabattierte Cache-Treffer wird das schnell teuer (die Rechnung dazu steht im Beitrag zu LLM-Kosten). Gibt es die API und rabattierte Cache-Treffer, wird Lumo auch als Komponente interessant: für Coding-Werkzeuge wie OpenCode, mit GLM-5.2 als Motor, vollständig auf souveräner Infrastruktur.

Was das für Ihr Unternehmen heisst

Für Privatpersonen ist Lumo heute eine klare Empfehlung. Für Unternehmen ist es zweierlei: ein gutes Werkzeug für Mitarbeitende, die einen vertraulichen Assistenten brauchen, und vor allem ein Beleg, dass es funktioniert. Das Muster hinter Lumo, offene Spitzenmodelle auf kontrollierter europäischer Infrastruktur, können Sie für Ihre eigene KI übernehmen: mit eigenen Daten, eigenen Werkzeugen und einer API, die Ihnen gehört.

Die vier Teile davor prüfen OpenAI, Anthropic, Google und Microsoft nach demselben Raster.

Für die Geschäftsleitung

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Häufige Fragen

Was ist Lumo?
Lumo ist der private KI-Assistent von Proton, der Genfer Firma hinter Proton Mail. Die Ende Juni 2026 erschienene Version 2.0 brachte Reasoning (schrittweises Nachdenken), Bildgenerierung, Gedächtnis und bessere Websuche. Proton betreibt frei verfügbare Modelle auf eigenen Servern in Europa. Chats sind zero-access-verschlüsselt (nur Ihr Gerät kann sie lesen), werden nicht protokolliert und nicht für Training verwendet.
Wie datenschutzfreundlich ist Lumo wirklich?
Die Architektur ist auf Vertraulichkeit ausgelegt: eigene europäische Server, zero-access-verschlüsselte Chats, keine Logs, kein Training auf Nutzerdaten, die Mehrheit gehört einer gemeinnützigen Stiftung. Die dokumentierte Ausnahme ist die Websuche. Aktiviert man sie, gehen Suchanfragen an externe Suchmaschinen, die Proton nicht namentlich nennt.
Welches KI-Modell steckt hinter Lumo?
Proton nennt die eingesetzten Modelle öffentlich: unter anderem GLM-5.2 und Qwen 3.5 (inzwischen auch GLM 5.3 und Apertus 1.5), frei verfügbare Modelle, die exklusiv auf Proton-Servern laufen. GLM-5.2 erreicht im Artificial Analysis Intelligence Index, einem unabhängigen Vergleichstest für KI-Modelle, 51 Punkte (Stand Juli 2026) und liegt damit vor Googles Gemini 3.5 Flash.
Hat Lumo eine API?
Nein. Stand Juli 2026 gibt es keine offizielle Schnittstelle (API), über die andere Software Lumo ansprechen könnte; Proton hat eine Lumo-API auf der Roadmap angekündigt. Bis sie erscheint, lässt sich Lumo nicht in eigene Anwendungen, Coding-Werkzeuge oder Geschäftsprozesse einbinden. Nutzen lässt es sich nur über die Apps und den Browser.

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Balkendiagramm des Artificial Analysis Intelligence Index v4.1: Claude Fable 5 mit 60 und GPT-5.5 mit 55 Punkten, GLM-5.2 (offen, läuft bei Proton) mit 51 vor Gemini 3.5 Flash mit 50, DeepSeek V4 Pro und Kimi K2.6 mit 44, Mistral Medium 3.5 mit 30.

Textvorschlag

Suchen Sie einen KI-Assistenten, dem Ihre Mitarbeitenden auch Vertrauliches anvertrauen dürfen?

Der übliche Einwand dagegen lautet, private KI sei die schwächere KI. Diese Annahme stimmt nicht mehr. GLM-5.2, das Modell hinter Protons Lumo, erreicht 51 Punkte im Artificial Analysis Intelligence Index v4.1, einem unabhängigen Vergleichstest für KI-Modelle (Stand Juli 2026), und liegt damit vor Googles Gemini 3.5 Flash, neun Punkte hinter der Spitze.

Betrieben wird es auf Protons eigenen Servern in Europa: Chats so verschlüsselt, dass nur Ihr Gerät sie lesen kann, keine Logs, kein Training mit Nutzerdaten, Mehrheitseigentümerin ist eine gemeinnützige Schweizer Stiftung. Zwei Grenzen bleiben. Bei aktivierter Websuche gehen die Anfragen an externe Suchmaschinen, die Proton nicht benennt. Und eine offizielle Schnittstelle (API) fehlt noch, Lumo ist damit ein Assistent für Menschen und lässt sich nicht in Systeme einbauen.

Unser Schluss gilt dem Muster hinter dem Produkt: Proton lädt ein offenes Modell herunter und behält den Betrieb. Ein eigenes Modell trainiert Proton dafür nicht. Genau das können Schweizer Unternehmen auch, mit eigenen Daten und einer Schnittstelle, die ihnen gehört. Der Schweizer Hoster Infomaniak macht es mit dem offenen Modell Kimi K2.6 vor.

Im Beitrag stehen das Souveränitäts-Raster zu Lumo und sechs Fragen, die Sie jedem Assistenten stellen sollten, den Ihr Team nutzen will. Link in den Kommentaren.

#KI #Datenschutz #Proton #Schweiz